Vernissage: 25. September 2009 Eröffnung: Dr. Claus-Peter Böhner-Fery, M.A. Laudatio: Dr. Helmut Orpel, Kunsthistoriker Öffnungszeiten der Ausstellung: 25. September 2009 bis 10. Februar 2010 jeweils Mantag - Freitag 9.00 bis 17.00 Uhr
GALERIE BÖHNER SIGNAL-IDUNA Business Tower direkt am Hauptbahnhof Willy-Brandt-Platz 5&6 1. und 2. Etage D - 68184 Mannheim
MANNHEIM Deutschland
Laudatio 25.09.2009, Dr. Helmut Orpel, GALERIE BÖHNER Meine Damen und Herren, die Herbstausstellung der Galerie Böhner zeigt wieder einmal eine Vielheit von Positionen, wie sie in der bildenden Kunst möglich sind. Harmonisch ergänzen sich hier die klassischen Disziplinen: Akt, Landschaft, Stilleben und Figuration mit einer Reihe ganz unterschiedlicher, interessanter Abstraktionsmöglichkeiten, die neue Perspektiven zur Wirklichkeit eröffnen. Typisch für diese Ausstellung ist vor allem die Tatsache, dass es den meisten Künstlern nicht um den Stil als solchen geht, sondern um die Aussagekraft ihrer Werke, in die sehr viel Empfindung hineingelegt wird. In den meisten Bildern erkennt man diese besondere persönliche Note. Man erkennt, dass sich der Künstler mit ganzer Seele in sein Werk einbringt. Auf leichtgewichtige Marktgängigkeit wird von den wenigsten, die hier ausstellen, Wert gelegt. Deshalb wirken die meisten Bilder so authentisch und ganz aus der Empfindung heraus gemalt. Bei den meisten Künstlern steht jedes einzelne Werk für sich. Dies werden Sie beispielhaft bei den Arbeiten von Anna Carina Fleischhacker bemerken, denen Sie im Eingangsbereich begegnen. Die aus dem österreichischen Burgenland stammende Malerin hat lange am Institut für Musikwissenschaften in Wien gearbeitet. Musik, innere Klänge meint man auch zu vernehmen, wenn man sich die Zeit nimmt und ihre Werke auf sich wirken lässt. Licht und Weite sind die zentralen Themen. Durch weite Räume und lichtvolle Atmosphäre eröffnen sich dem Betrachter neue Weltsichten. Der Blick scheint über die materielle Oberfläche hinauszuführen. Im übertragenen Sinne kann man hier von einer Mystifizierung der Wirklichkeit sprechen, der Anna Carina Fleischhacker künstlerisch das Wort redet. Von ganz anderer Art sind die Arbeiten der Schweizerin Christine Aebischer . Sie vermeiden gerade die zentralperspektivische Raumillusion, die kennzeichnend für die Arbeiten der eben genannten Malerin ist. Christine Aebischers Arbeiten verfolgen von vorn herein den Weg der Abstraktion. Der Aufbau ist ornamental und erinnert an kostbare Stoffe oder Dekors in orientalischen Palästen. Man kann in diese Vorlagen alles Mögliche hineingeheimnissen und wird dennoch immer wieder neue Aspekte entdecken. Die Farbwirkung regt die Phantasie an, ohne sie dabei allzu sehr zu lenken. Die Tiefenwirkung entsteht dabei durch Überlagerung und durch die unterschiedlichen Farben und Strukturen, die hier mit einem ausgeprägten Sinn für die ästhetischen Gesamtwirkung eingesetzt werden. Wesentlich für diese stimmungsvolle Ausstrahlung ist vor allem auch das gekonnt inszenierte Zusammenspiel zwischen transparenten und opaken Partien, welche die Oberflächen beleben und strukturieren. Ganz der Figur, ausschließlich der weiblichen, huldigt die Salzburgerin Eva M. Paar , die in der Galerie Böhner schon häufiger zu Gast war. Sie entwickelt ihre Malerei analog zu den Pin-up Fotos der Hochglanzillustrierten, zerlegt aber die Oberfläche so, dass sich erst aus der Entfernung heraus ein Gesamtbild ergibt. Auf diese Weise sind ihre Bilder ein Beitrag zum Thema Illusion und Wirklichkeit. Die kritische Haltung zu diesem Thema - hier die aktuelle Note zu diesen Arbeiten - hat gerade im Zeitalter der virtuellen Welten und der Computer-Kontaktbörsen eine besondere Bedeutung. Der Villacher Künstler Gerald Grünwerth hingegen stellt die Figur nicht isoliert ins Zentrum, sondern bettet sie in einen identifizierbaren Raum ein - New York zum Beispiel, dessen Dynamik farblich auf die Figur überzuspringen scheint. Auf diese Weise macht er uns deutlich, dass der Mensch nicht im luftleeren Raum existiert, sondern ein Konglomerat ist aus vielen Impulsen, die außerhalb seiner selbst sind und somit unabhängig von seinem Wollen wirken. Dieses Thema - die Auflösung der Figur in der Umgebung - bei Grünwerth als gemalter Stadtraum präsent - ist bei einigen Künstlern hier in der Ausstellung ein Leitthema, das hinter der eingangs erwähnten Aussagekraft nicht übersehen werden sollte. So hat Helga Glatz aus Graz eine sehr spezielle Art gefunden, mit dem Thema Figur im Raum zu laborieren. Leuchtende Rottöne sind ihr Markenzeichen. Die Figuren in ihren Bildern scheinen nur ein Vorwand zu sein, um die Leuchtkraft der Farben zur Wirkung zu bringen. Im Vordergrund steht also nicht die Figur als solche, sondern vielmehr die Liniatur, die eine Figur der an sich flachen Oberfläche eines Bildes gibt. Dieser Rhythmus ist bei den Arbeiten von Helga Glatz durch die fein abgestimmte Tonalität gegeben, die im Hintergrund die Grundlage dieser kräftigen farbigen Leuchtkraft ist, die sich in den Raum hinein wirkend aus dem Untergrund heraus zu entwickeln scheint. Ganz ähnlich von der Komposition, aber von der Farbskala genau umgekeht, geht der Niederländer Paul Kok vor, der kalte Töne bevorzugt. Tineke Kleij-van den Boomens Arbeiten gehen bezüglich der Auflösung der festen Formen noch einen Schritt über die von Helga Glatz hinaus. Hier erkennt man den figurativen Ursprung nicht mehr wirklich. Man kann ihn noch erahnen. Die Unterteilung zwischen Figur und Raum ist hier zwar noch eingehalten, aber durch die Auflösung der Form relativiert. Bei ihrer Landsmännin Hemmechien Knip geht der Prozess in diese Richtung noch weiter, dass am Ende nur noch Chiffren bleiben, deren Enträtselung nicht mehr möglich ist. Ihre Bilder leben von der Wechselbeziehung zwischen Fläche und Linie. Bei der in Serbien geborenen Österreicherin Jagoda Lessel entstehen subtile, transparente Flächen, die sich überlagern und verschiedene Ebenen bilden. Auch Andrea Missinne aus Wien arbeitet mit Überlagerungen und schafft eine Tiefenwirkung dadurch, welche die Dimensionen des räumlichen Umfeldes erweitert. Gerhard-Oliver Moser aus Linz erreicht diese Tiefenwirkung mit Farbräumen, die er so konstruiert, dass der Blick durch die auffälligen Kontraste in die Tiefe des Bildraums gezogen wird. Bei zwei Künstlern hier in der Ausstellung der Galerie Böhner ist die materielle Komponente des Bildes mindestens ebenso wichtig wie die Komposition und die Aussagen. Dies ist zum einen bei der Malerin Sabine Beck der Fall. Sie lebt auf den kanarischen Inseln. Der besondere Zugang zu diesem Lebensraum erschießt sich uns durch ihre Bilder. Unschwer sind hier Unterwasserlandschaften zu erkennen, deren reliefartige Plastizität die Künstlerin durch Realien betont, die geschickt mit dem handgeschöpften Papier, das hier verwendet ist, verwebt wurde. Von diesem Aspekt aus gesehen gibt es eine Verbindung zu Thommy Ha. Seine Intentionen gehen auch in die Richtung, den Malgrund durch die Beigabe von Papieren und anderen Materialien zu vitalisieren. Die Entwicklung des Bildes beginnt gewissermaßen mit dem Untergrund. Die Art der Behandlung kommt der spontanen Malweise sehr entgegen. Dieser Spontaneität, das möchte ich damit unterstreichen, ist aber auf einer sorgfältigen Vorbereitung begründet, die nicht erst mit der Grundierung, sondern bereits mit der Materialauswahl beginnt. Katya Tomasinis Arbeiten lassen sich einem psychologisch geprägten Surrealismus zuordnen, der sehr nah geht. Ihre Bilder lassen nur wenig Distanz zu. Durch eine bewusst kindliche Art der Zeichnung schafft sie einen Eindruck der Offenheit und nähert sich so den Grenzerfahrungen des Lebens, die sehr wohl im positiven als auch im negativen Bereich zu machen sind. Sie möchte anscheinend den Menschen in seinen Leiden, aber auch in seinen ekstatischen Augenblicken erfassen. Hierzu bedient sie sich nicht nur einer intensiven Art des Zeichnens, sondern auch einer besonderen Farbpalette, der Regenbogenfarben, die nicht nur für den Regenbogen selbst, sondern auch für die Sphärenklänge und die Oktaven stehen. Mit ebenfalls sehr tiefgreifenden, ins surreale hineinspielenden Mittel arbeitet Christine Cézanne-Thauss . Mit Kombinationen von Formen und Farben setzt sie die Welt neu zusammen. Was haften bleibt, ist die psychodelische Leuchtkraft, die von ihren Bildern ausgeht. Günter Patzelt bezeichnet sich in seiner Selbstdarstellung als Schnellmaler. Die Geschwindigkeit ist Teil seines Konzeptes. Im Stile der berühmt-berüchtigten Schule des Action-Paiting entsteht so Werk für Werk in leuchtenden, teils grellen Farbverläufen. Milo Dias ist der einzige Skulpteur unter den Ausstellenden und wie ich es überblicken kann, auch der einzige Künstler in diesem internationalen Spektrum, der aus Frankreich gekommen ist. Auch er ein Surrealer, der mit den Mitteln des zufälligen Fundes arbeitet, Fundstücke, die er so aufbereitet, dass sie Skulpturen ergeben. Auf diese Weise lenkt er den Blick auf die Natur, auf die Vergänglichkeit, die Metamorphose der Stoffe und huldigt der Natur als der wahren Künstlerin. Darüber hinaus wird die Ausstellung abgerundet durch drei großformatige Mischtechniken der Schweizer Künstlerin Gisela Zimmermann , die durch die Farbwahl und eine vorzügliche Harmonie in der Formgebung überzeugen.
-
Home
-
Galerie
-
News
-
GRAZ 2010 sept.
-
SANSEPOLCRO 2010
-
GRAZ MED CENTER 2010
-
VILAMOURA 2010
-
AVEIRO 2010
-
VIGO 2010
-
MAINZ Bunt wie das Leben
-
MANNHEIM
-
Civitavecchia
-
Galerie Blaues Atelier Graz
-
Budapest 2009
-
AR(T)CEVIA 2009
-
Zürich 2008
-
Berlin Mitte Photos
-
Ausstellung Uruguay
-
Liberamente bianco
-
Berlin Friedrichshain
-
Düsseldorf
-
Eberswalde
-
Budweis AVE 2007
-
VENDAS NOVAS
-
Exhibition
-
VITA
-
Awards
-
Projects
-
info